Thomas Jusselme, assoziierter Professor für Energieeffizienz von Gebäuden

Thomas Jusselme wurde zum assoziierten Professor für Gebäude-Energieeffizienz am Institut ENERGY des Smart Living Lab ernannt. Seit diesem Semester unterrichtet er die Fächer "Erneuerbare Energien" und "Bauphysik" an der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg (HTA-FR). Bis Ende 2019 arbeitet er weiterhin innerhalb der Building2050 Group, um seine Forschungsaktivitäten im Zusammenhang mit dem zukünftigen Gebäude des Smart Living Lab abzuschliessen. Im Jahr 2020 wird er vollzeitlich dem Institut ENERGY beitreten, um an dessen Projekten zur Gestaltung von Gebäuden mit niedrigem Energieverbrauch und tiefem Kohlenstoffgehalt teilzunehmen.

Sie kennen das Smart Living Lab gut und arbeiten schon seit 2014 dort. Wie inspiriert Sie dieses interdisziplinäre Forschungszentrum?

Ja, seit den Anfängen mit Anne-Claude Cosandey et Veronica Cubarle in den Büros an der Route de la Fonderie haben wir einiges aufgegleist! Das Smart Living Lab ging von einer vielversprechenden Vision aus, und die Umsetzung ist spannend, auch wenn die zu bewältigenden Herausforderungen sehr gross sind. Die Interdisziplinarität, Interinstitutionalität und der experimentelle Charakter eines Living-Lab-Konzeptes machen es zu einem Forschungsstandort von nationaler und internationaler Bedeutung. Was ich als Forscher hier schätze, ist vor allem die einzigartige Gelegenheit, über gemeinsame Forschungsobjekte privilegierte Kontakte zu Forscherteams aus anderen Bereichen pflegen zu können.

Wie wichtig ist die Forschung für Ihre Lehre?

Ich hatte bereits 7 Jahre lang die Möglichkeit zu lehren, bevor ich zur EPFL kam, jedoch mit sehr geringer Forschungsaktivität. Bei der Gruppe Building2050 war es dann umgekehrt: Ich habe meine ganze Energie in die Entwicklung des Forschungsprogramms des Gebäudes für das Smart Living Lab gesteckt. Als Ergebnis dieser beiden Erfahrungen stelle ich fest, dass für mich ein Gleichgewicht zwischen diesen beiden Aktivitäten notwendig ist; die Lehre inspiriert die Forschung und umgekehrt. Die Lehre ermöglicht es uns, ein bisschen Abstand zu nehmen und einen strukturierten Diskurs aufzubauen. Von den Studierenden erhalten wir dann Feedback über unsere Fähigkeit zur Wissensvermittlung. Auf der anderen Seite ist die Forschung von grundlegender Bedeutung, um unsere Lehre auf den neuesten Stand zu bringen und sicherzustellen, dass die Studierenden eine Vision der Herausforderungen von morgen haben und über entsprechende Lösungsansätze verfügen.

Neben Ihrer akademischen Laufbahn haben Sie auch ein eigenes Start-up-Unternehmen gegründet. Wie lässt sich das kombinieren?

Eigentlich ist es genau das Gegenteil. Ich war Unternehmer, bevor ich in eine akademische Laufbahn einschlug. Im Alter von 25 Jahren war ich Mitbegründer eines Architektur- und Ingenieurbüros, was mich zwang, sehr schnell in verschiedenen Bereichen zu lernen, vom beruflichen Fachwissen bis zur Unternehmensführung. Aber nach 10 Jahren spürte ich den Drang, mich vermehrt in Innovationen für nachhaltiges Bauen zu investieren und meine Arbeitsweise zu ändern. Die mir von der EPFL vorgeschlagene Mission im Rahmen von Building2050 war für mich die ideale Gelegenheit dafür. Neben diesem Auftrag konnte ich mich in eine Doktorarbeit vertiefen, die zu einem Technologietransfer zwischen der EPFL und einem von mir mitbegründeten Start-up führte. Für mich ist dies die logische und notwendige Fortsetzung meiner beruflichen Tätigkeit: Zuerst die Arbeit in der Forschung verankern und sie dann mit der Realität vor Ort zu konfrontieren. Als Lehrperson und Forscher möchte ich Forschung und Praxis dauerhaft miteinander verbinden.

Welche Forschungstätigkeit möchten Sie im Bereich Wohnformen der Zukunft durchführen?

Ich konzentriere meine Arbeit auf die Verbesserung der Energie-/Kohlenstoffbilanz in der Baubranche. Meine erste Forschungsachse betrachtet das Gebäude mit einer ganzheitlichen Vision, sei es in Form eines Lebenszyklus- oder Mehrzweckansatzes. Auf diese Weise versuche ich, alle Stoff- und Energieströme zu integrieren, die in die Systemgrenzen des Gebäudes einfliessen. Dies erfordert einen Perspektivenwechsel, denn lange Zeit wurde die Effizienz von Gebäuden nur während seiner Nutzung berücksichtigt. Da Gebäude immer effizienter werden, ist es nun notwendig, eine gesamtheitliche Analyse durchzuführen, um beispielsweise Transfers von Schadstoffen zwischen Nutzungsenergien und grauen Energien zu vermeiden. Meine zweite Forschungsachse ist es, diesen ganzheitlichen Ansatz bereits in der Frühphase des Planungsprozesses zugänglich zu machen, denn dort besteht ein echter Bedarf an Forschung und Entwicklung. Tatsächlich bietet diese Projektphase mit hohem finanziellem Risiko für die Bauherrschaft nicht genügend Ressourcen, um fundierte Ingenieurstudien zu integrieren; doch genau diese Projektphase ist die wichtigste für ein nachhaltiges Bauwerk. Diese beiden Achsen sind spannend, da sie das Zusammenführen vieler Disziplinen wie Architektur, Bauphysik, Statistik, Maschinentechnik, Datenvisualisierung, Machine Learning, usw. erfordern

Was machen Sie ausserhalb von Forschung und Lehre?

Derzeit widme ich 20% meiner Berufstätigkeit meinem Start-up Combo Solutions. Ausserdem versuche ich, so viel Zeit wie möglich mit meiner Partnerin und meinen drei Kindern zu verbringen. Wir geniessen die Freiburger Berge und reisen gerne. Ich spiele auch jede Woche Jazztrompete in der Big-Band des Konservatoriums Freiburg.

Kontakt

Thomas Jusselme

Associate Professor ENERGY Institute
Researcher Building2050 Group- EPFL
-low carbon and reusable
-design and construction processes
-efficient energy strategies and regulation

Information

ENERGY Institute
Building2050 Group

Thomas Jusselme © Thomas Delley