Interview

Séréna Vanbutsele leitet seit dem 1. Mai 2021 das Institut für Architektur: Erbe, Konstruktion und Nutzer (TRANSFORM) der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg (HTA-FR). Sie ist auch Dozentin im «Joint Master of Arts in Architecture» (JMA) an der HTA-FR und erzählt im Interview, wie Sie ihr Forschungsthema der unterbeplanten Naturräume im Kontext der qualitativen Verdichtung im städtischen und ländlichen Raum Freiburgs einbringen will.

Wie sehen Sie das «Smart Living Lab», das die Kompetenzen der EPFL, der HTA-FR und der UNIFR in einem interdisziplinären Ansatz vereint?

Es ist ein anregender Ort, weil er voller Kontraste ist. Das Internationale trifft auf das Lokale, Hightech auf Lowtech, das Alternative auf das Konventionelle, die Grundlagenforschung auf die angewandte Forschung, Technik auf Kultur. Man trifft Forschende aus der ganzen Welt, die neueste Erkenntnisse hervorbringen. Da ist eine Konzentration von Innovation und Technologie – auf der Suche nach neuen Möglichkeiten des Lebens, Arbeitens, Produzierens, Konsumierens und Reisens.

Vor welchen Herausforderungen steht das Institut TRANSFORM der HTA-FR, das Sie seit dem 1. Mai 2021 leiten?

Das Institut vereint etwa dreissig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und viele Kompetenzen, die alle auf die eine oder andere Weise in der Auseinandersetzung mit Fragen der räumlichen Transformation der bebauten und unbebauten Umwelt, sei es in der Phase der Raumplanung, des Baus, der Nutzung oder des Umbaus, zum Einsatz kommen. Dank der Bündelung dieses wertvollen Know-hows und der breit gefächerten Kompetenzfelder ist TRANSFORM in der Lage, Projekte zu initiieren und zu leiten, die das Smart Living Lab tragen. Das Institut ist eine Art Katalysator interdisziplinärer Praktiken, die dazu beitragen, eine Zukunft zu gestalten, die den Umweltbelangen, den Herausforderungen des Klimawandels und der Suche nach einer verstärkt zirkulären Lebens- und Wirtschaftsweise gerecht wird.

"Das Institut ist eine Art Katalysator interdisziplinärer Praktiken, die dazu beitragen, eine Zukunft zu gestalten, die den Umweltbelangen gerecht wird"

Wichtige Themen für das Institut sind das Zusammen-Arbeiten, die Stärkung der Verbindungen zwischen Forschung, Lehre und Praxis in den Bereichen Architektur und Stadtplanung sowie der Aufbau des Kompetenzzentrums für Gebäudesanierung.

Womit werden Sie in den nächsten Monaten beschäftigt sein?

Die Übernahme der Leitung des Instituts TRANSFORM wird im Zentrum stehen. Es geht darum, Kontakt aufzunehmen und eine Dynamik einzuleiten und zu organisieren.

Parallel dazu unterrichte ich im «Joint Master of Arts in Architecture» (JMA) der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg (HTA-FR), der Hochschule für Landschaft, Technik und Architektur, Genf (HEPIA) und der Berner Fachhochschule (BFH), und es sind auch mehrere Forschungsprojekte im Aufbau. Es geht darum, mein Forschungsthema der unterbeplanten Naturräume im Kontext der qualitativen Verdichtung im städtischen und ländlichen Raum Freiburgs einzubringen.

"Es geht darum, mein Forschungsthema der unterbeplanten Naturräume im Kontext der qualitativen Verdichtung im städtischen und ländlichen Raum Freiburgs einzubringen"

Können Sie uns mehr über Ihren beruflichen Werdegang erzählen?

Mein beruflicher Hintergrund ist eine Mischung aus Architektur, Stadtplanung, Landschaftsdesign, Geografie und Sozialwissenschaften. Ich bin ausgebildete Architektin (UMons – Belgien) und Stadtplanerin (UCLouvain – Belgien) und habe einen Doktortitel in Baukunst und Stadtplanung (UCLouvain – Belgien). Bevor ich zur HTA-FR kam, war ich Oberassistentin am Institut für Umweltmanagement und Raumentwicklung (GEDT) der Universität Genf, am Departement für Geografie der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften (SdS).

Ich unterrichtete Theorie im Rahmen des gemeinsamen Masterstudiengangs in Raumentwicklung (Master en Développement Territorial – MDT) der HES-SO und der UNIGE (einschliesslich des Kurses zur Methodik der Raumplanung und zum Projektmanagement), sowie Ateliers (einschliesslich des Ateliers zum Thema Regionalentwicklung und des Ateliers Gebietsprojekt–Landschaftsprojekt). Ich konnte mehrere internationale Forschungsaufenthalte absolvieren, unter anderem an der Universität «La Sapienza» in Rom und am «OPSYS/Landscape Infrastructure Lab» an der «Graduate School of Design» der Harvard University in Boston. Seit 2018 bin ich im Steuerungskomitee des internationalen Netzwerks «INTER-FRICHES». Ziel dieses Netzwerks ist es, eine interdisziplinäre Methodik für die Analyse städtischer Brachflächen und die Erarbeitung von Projekten zu entwickeln, um deren vielfältigen Potenziale (Annehmlichkeiten, Nutzungen, ökologische und landschaftliche Aspekte) besser nutzen zu können.

Wie sehen Sie die Zukunft der bebauten Umwelt und der Forschung in diesem Bereich?

Die Zukunft der bebauten Umwelt ist mit der Zukunft der nicht bebauten Umwelt verbunden. Die Qualität der Gebäude ist wichtig, doch die Qualität der Beziehungen zwischen den Gebäuden ist möglicherweise noch wichtiger.

"Die Qualität der Gebäude ist wichtig, doch die Qualität der Beziehungen zwischen den Gebäuden ist möglicherweise noch wichtiger"

Die Auseinandersetzung mit dem Raum zwischen den Gebäuden ermöglicht die Erhaltung und Schaffung von freien Räumen und Naturräumen. Diese freien Räume, die im Kontrast zur Fülle der Gebäude manchmal als «leere» Räume bezeichnet werden, wollen wir nutzen, um Antworten zu finden auf eine Reihe der Herausforderungen von morgen, wie Klimanotstand, Verdichtung der Städte und Bedarf an öffentlichen Räumen, das Verhältnis zur Produktion, einschliesslich der landwirtschaftlichen Produktion, die Klimaregulierung angesichts von Phänomenen wie städtischen Hitzeinseln oder Hitzewellen, usw.

Vielleicht noch kurz etwas dazu, wofür Sie sich ausserhalb der Architektur interessieren?

Ich bin gerne in der Region, in der ich lebe, unterwegs, um versteckte, manchmal malerische und unerwartete Ecken zu entdecken, die im Kontrast zum naheliegenden städtischen Leben stehen. Und ich freue mich auch immer auf ein Wiedersehen mit meiner flachen Heimat, der Weite und dem Meer, den Gewohnheiten und Traditionen und vor allem mit meinen lieben Freunden und meiner lieben Familie.

Kontakt

Séréna Vanbutsele

Head of TRANSFORM Institute
Professor- HEIA-FR
-spatial analysis or planning
-green infrastructures
-sustainable urbanism

Information

Séréna Vanbutsele (Professor | Head of TRANSFORM) is trained as an architect and a planner and owned a PhD from UCLouvain (Belgium). Her expertise lies at the interface between architecture, urban and landscape planning. She questions the paradigm of densification through the transformation of unplanned open spaces such as wastelands, semi-natural sites and urban fringes.

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